Mangelnde Baustoffkenntnisse

Ein Gartenbau-Spezialist durfte bei einem EFH–Besitzer die Umgebungsarbeiten ausführen. Solche Arbeiten werden oft ohne Unterstützung eines Architekten oder Bautreuhänders realisiert.

Sachverhalt:

Mangelnde Baustoffkenntnisse2Es geht um den Übergang (2) vom bituminösen Vorplatz (1) zum Garagen-Vorplatz in Zement-Pflastersteinen (3). Dieser ist nur ca. 8 cm hoch und 20 bis 25 cm breit.

Statt den Übergang mit dem Material des Vorplatzes (1) aufzufüllen, kam ein zementgebundener Sickermörtel zur Anwendung. Dieses Material ist aus folgenden Gründen für diese Anwendung wenig geeignet:

Keine Feinanteile: Da bei dieser Mörtelmatrix (4-8 mm) die Feinanteile der Fraktion 0-4 mm gänzlich fehlen, kommt kein ausreichender, innerer Zusammenhalt (Kohäsion) zu Stande. Durch die dauernde, mechanische Belastung (Autos einparken) ist dieser Füllstoff überfordert. Daran kann auch der beste Zement als Bindemittel wenig verbessern.

Minimale Materialwechsel: Im Bauwesen sind Materialwechsel immer Schwachstellen, welche grosses Wissen vom Baufachmann erfordert. Will man diese schadenfrei ausführen, darf man den Lösungserfolg nicht nur im Baustoff suchen. Die konstruktive Ausführung ist ebenso wichtig. Ein Übergang zwischen zwei Baumaterialien besteht oft aus drei Baustoffen. Anzustreben sind jedoch Übergänge nur mit 2 verschiedenen Baustoffen.

Wie wird sich bei diesem Beispiel die falsche Materialwahl auswirken?

Das ca. 4 m lange Mörtelband wird schon in den nächsten Monaten zerbrechen. Grund dafür ist die zu geringe Eigenfestigkeit und die Geometrie (sehr schlank und lang). Zusätzlich werden bei jeder Darüberfahrt im Radbereich einzelne Steinteilchen ausbrechen. Der Graben wird somit immer tiefer. Ist er tief genug, werden auch die Anschlussbauteile (Vorplatz und Zementsteinpflästerung) im Randbereich übermässig abgenützt.

Fazit:
Selbstverständlich wird der ökonomische Schaden bei diesem Fall nicht in die Millionen gehen. Die Praxis des Bauschadenexperten zeigt jedoch, dass mangelnde Materialkenntnisse für den Eigentümer / Besteller  wirklich ins Geld gehen können.

Das Bestellen eines erfahrenen Bautreuhänders lohnt sich sowohl für Investoren wie auch für Eigentümer.

(04/2014)